Wissenschaftler:innen und Aktivisti fordern seit Jahren einen hohen CO2-Preis inklusive sozialem Ausgleich, beispielsweise in Form einer Klimaprämie. Dieses Konzept sieht vor, dass ein Teil des Geldes gleichmäßig an alle Bürger:innen wieder ausgezahlt wird. Die Bundesregierung hat sich allerdings gegen diesen Vorschlag entschieden, nachdem viele Politiker:innen die Befürchtung geäußert hatten, ein hoher CO2-Preis würde vor allem arme Menschen zu stark belasten. Seit dem 1. Januar 2021 gibt es nun in Deutschland das nationale Emissionshandelssystem (nEHS) für Brennstoffe mit einem fixen Preis von 25€ pro Tonne CO2 – viel weniger als von Wissenschaftlern und Aktivisten gefordert. Eine Klimaprämie gibt es nicht.

Ist dieses Konzept für arme Menschen tatsächlich weniger belastend als ein höherer CO2-Preis mit Klimaprämie? Im Folgenden wollen wir versuchen, diese Frage mit einer einfachen Beispielrechnung zu beantworten. Der Einfachheit halber nehmen wir dafür an, dass jeder Deutsche im Schnitt 1 Tonne CO2-Emissionen pro Monat verursacht. Dieser Wert ist etwas zu hoch angesetzt, macht aber die Rechnung einfacher.

Konzept 1: 50€ CO2-Preis mit 60% Klimaprämie
Jede Tonne CO2-Emissionen kostet 50€. Im Durchschnitt zahlt also jede:r Deutsche 50€ pro Monat. Wer mehr CO2 emittiert, zahlt mehr. Wer sich dagegen klimafreundlicher verhält, zahlt weniger. 60% dieses Geldes werden gleichmäßig (also unabhängig von den jeweiligen Emissionen) an alle Bürger:innen zurückgezahlt – jede:r erhält 30€ Klimaprämie.

Konzept 2: 25€ CO2-Preis ohne Klimaprämie
Jede Tonne CO2-Emissionen kostet 25€. Eine Klimaprämie gibt es nicht. Dieses Konzept wird derzeit in Deutschland umgesetzt.

Um die Konzepte zu vergleichen, schauen wir uns an, wie viel ein Mensch zahlt, der
1. doppelt so viel CO2 emittiert wie der Durchschnitt
2. genau durchschnittlich viel CO2 emittiert
3. halb so viel CO2 emittiert wie der Durchschnitt.
Die folgende Tabelle zeigt für diese Menschen die monatlichen netto Kosten der CO2-Bepreisung, also den Preis für das emittierte CO2 abzüglich der Klimaprämie.

50€/t mit Klimaprämie25€/t ohne Klimaprämie
Doppelte Emissionen70€50€
Durschchnittliche Emissionen20€25€
Halbe Emissionen-5€12,5€
Monatlicher netto Preis für CO2-Emissionen in verschiedenen Bepreisungskonzepten

Es fällt sofort auf, dass die netto Kosten im ersten Konzept wesentlich unterschiedlicher ausfallen als beim zweiten. Ein moderater Preis mit Klimaprämie schafft also mehr Anreize, sich klimafreundlich zu verhalten, als ein niedriger Preis ohne.

Studien haben zudem gezeigt, dass die Emission von Treibhausgasen statistisch mit dem Einkommen korreliert ist. Dies gilt auch und vor allem im Bereich Verkehr. In der Tabelle oben sehen wir, dass in emissionsarme, d.h. in der Regel auch finanzschwache, Haushalte durch eine moderate CO2-Bepreisung mit Klimaprämie weit weniger belastet werden würden als durch die aktuelle Regelung. Wer besonders klimafreundlich lebt wird überhaupt nicht belastet, sondern bekommt sogar Geld dazu (in unserem Beispiel 5€).

Weiterhin ist anzumerken, dass 50€/t oder sogar 100€/t (abzüglich der Klimaprämie) noch ein sehr niedriger Preis wäre im Vergleich zu den tatsächlichen Kosten der durch Treibhausgase verursachten Schäden. In seiner neu veröffentlichten Methodenkonvention 3.1 hat das Umweltbundesamt die Kostensätze für Umweltschäden aktualisiert und beziffert die Schäden durch eine Tonne CO2 nun mit 195€. Den größten Teil davon zahlt nach wie vor nicht der/die Verursacher:in, sondern die Allgemeinheit.

Fazit:
Das nationale Emissionshandelssystem für Brennstoffe mit einem sehr niedrigen Preis von 25€/t setzt weniger Anreize für klimafreundliches Verhalten und belastet finanzschwache Haushalte mehr als ein System mit moderatem Preis von z.B. 50€/t und 60% Klimaprämie. Nach dem Verursacherprinzip müsste der Preis sogar noch deutlich höher liegen.

Quellen:
Pressemitteilung des Umweltbundesamtes zu neuen Kostensätzen für Umweltschäden
Pressemitteilung des Umweltbundesamtes zum nationalen Emissionshandelsystem für Brennstoffe
Repräsentative Erhebung von Pro-Kopf-Verbräuchen natürlicher Ressourcen in Deutschland (nach Bevölkerungsgruppen)
Oxfam Studie: „Confronting Carbon Inequalities“
Umweltbundesamt: „Einkommen, Konsum, Energienutzung, Emissionen privater Haushalte“

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