Wir wissen alle, dass der Klimawandel real ist und menschengemacht. Aber wie schlimm ist es eigentlich wirklich? Wird 2020 das nächste heißeste Jahr seit Begin der Aufzeichnung? Und wie weit sind wir noch von diesem 1,5°-Limit entfernt? All diese Fragen stellen natürlich nicht nur wir uns, sondern noch sehr viele andere Menschen, die genau dazu forschen. In diesem Artikel werden wir euch ab jetzt regelmäßig Updates aus der Klimawissenschaft geben. Dabei fokussieren wir uns auf zwei Berichte: Die von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) und die von Berkeley Earth. NOAA bringt einen monatlichen Bericht raus, der unter anderem eine Vorhersage zu der Temperaturentwicklung des gesamten Jahres macht und eine detailliertere Unterteilung bei der Datenanalyse hat. Berkeley Earth ist eine NGO, die durch aktive Suche und intensives Datenmanagement eine deutlich ausführlichere Datenanalyse zur Verfügung stellen kann als die meisten anderen Organsiationen.

Wir fangen an mit der Zusammenfassung vom NOAA Bericht, Berkeley Earth findet ihr dann weiter unten. (Zu Berkeley Earth gibt es bisher als aktuellsten Stand noch den Juli, Updates kommen, sobald es hier etwas neues gibt)

NOAA teilt die Klimaveränderungen in mehrere Kategorien auf. Zum einen gibt es die Unterteilung zwischen dem monatlichen Vergleich und dem aktuellen Jahresvergleich (Januar bis September), zum anderen werden klimatische Veränderungen in globalen Durchschnitt, Durchschnitt auf der Nordhalbkugel und auf der Südhalbkugel unterteilt, und diese wiederum in „nur Landmasse“, „nur Ozean“, und „Land und Ozean“ eingeteilt. Diese Unterteilung ist sinnvoll, da sich sowohl Nordhalbkugel und Südhalbkugel, wie auch Land und Ozean unterschiedlich stark erhitzen. Gucken wir uns jetzt also mal die verscheidenen Ergebnisse an:

September 2020:
Globaler Durchschnitt:

Im globalen Mittel war der September 2020 0,97 K wärmer als im langjährigen Mittel (in diesem Fall 1901-2000) und damit der wärmste September seit Beginn der Aufzeichnungen. Der Temperaturanstieg über Land ist stärker als der über dem Ozean, weil der Ozean Wärme besser speichern kann als Land. Das sieht man auch in den Daten. Über Land war der Anstieg mit 1,49 K ebenfalls der wärmste September. Über dem Ozean ist die Temperatur allerdings „nur“ um 0,77 K angestiegen, und ist damit der viertwärmste September, 0,06 K kälter als 2015, das aktuelle Rekordjahr.

Nordhalbkugel

Die Nordhalbkugel wärmt sich stärker auf, als die Südhalbkugel. Über Land und Ozean gemittelt war der September 2020 auf der Nordhalbkugel sozwar „nur“ der drittwärmste September seit Beginn der Aufzeichnungen, mit 1,21 K allerdings auch nur 0,02 K kälter als das aktuell wärmste Jahr, 2019. Auch auf der Nordhalbkugel hat man ein Gefälle zwischen Land und Ozean. Über Land war der September 2020 mit 1,43 K mehr nach 2016 auch der drittwärmste September. Und auch über dem Ozean war der September 2020 der drittwärmste September, mit 1,08 K 0,04K kälter als 2015.

Südhalbkugel:

Insgesamt wärmt sich die Südhalbkugel weniger stark auf als der Norden. So war es im Mittel „nur“ 0,70 K wärmer. Das ist allerdings trotzdem der wärmste September seit Beginn der Aufzeichnungen. Über Land war es mit 1,62 K auch der wärmste September, über dem Ozean jedoch mit 0,52 K mehr „nur“ der neuntwärmste, und, zusammen mit 2009, 0,1 K kälter als der aktuelle Rekord.

Es ist also weiterhin deutlich zu warm, und das wird auch in der folgenden Analyse sichtbar. Denn neben den aktuellen Temperaturtrends erstellt NOAA auch Vorhersagen. Dabei wird nicht auf Klimamodelle gesetzt, sondern auf einen Vergleich mit bisherigen Klimadaten, basierend auf den Veränderungen von Monat zu Monat. NOAA guckt sich also an, wie sich die Temperaturen von Monat zu Monat verändern und vergleicht diese Veränderungen dann mit den hisotrischen Datensätzen, um wahrscheinliche Temperaturentwicklungen zu bestimmen.

Diese Prognose wird jeden Monat aktualisiert. Nach dem September wird 2020 laut NOAA mit einer Wahrscheinlichkeit von 64,7% das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichung und mit über 95% das heißeste oder zweitheißeste Jahr. Dass 2020 NICHT unter die heißesten 10 Jahre kommt ist im Grunde genommen ausgeschlossen. Damit würde dann mit 1998 auch das letzte Jahr aus dem letzten Jahrhundert aus den Top-Ten rausfliegen. Die Top 10 heißesten Jahre wären dann alle seit 2005, also alle in den letzten 15 Jahren.

Aber wie sieht das aktuell aus?

Januar bis September 2020:

Global

In dem Vergleich von Januar bis September ist 2020 im Moment noch das zweitwärmste Jahr, nach 2016. Dabei ist 2020 bis jetzt 1,02 K wärmer, beziehungsweise 1,65 K über Land und 0,79 K über dem Ozean. Das ist 0,04 K (bzw. 0,03 K über Land und 0,04 K über dem Ozean) mehr als das aktuelle Rekordjahr 2016.

Nordhalbkugel

Auf der Nordhalbkugel ist 2020 bis jetzt im Mittel das wärmste Jahr (1,31 K), über Land allerdings das zweitwärmste (1,82 K vs 1,87 in 2016). ). Über dem Ozean ist der Anstieg mit 1,00 K der größte seit Beginn der Aufzeichnungen, und 2020 bis jetzt somit auch hier das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.

Südhalbkugel

Hier sieht es etwas besser aus als auf der Nordhalbkugel, mit einem gemittelten Anstieg von „nur“ 0,73 K. Damit ist 2020 bis jetzt auf der Südhalbkugel das viertwärmste Jahr, 0,04 K kälter als 2016. Über Land ist der Anstieg 1,22 K, damit das zweitwärmste Jahr, zusammen mit 2016 0,06 K kälter als 2019. Der Ozean ist um 0,64 K wärmer und damit ebenfalls das viertwärmste Jahr mit 0,09 K Differenz zu 2016.

Hier seht ihr noch den Ausblick von Berkeley Earth, allerdings noch vom Juli. Eine aktuellere Version ist von Berkeley bisher nicht online, dies wird allerdings aktualisiert, sobald sich hier etwas neues ergibt!

Zunächst einmal haben Berkeley Earth einen anderen Referenzrahmen: Hier wird unterschieden zwischen einem 30-Jahres Schnitt von 1951 bis 1980 und der vorindustriellen Zeit, die hier als 1850-1900 angege wird.

Im Vergleich zu der vorindustriellen Zeit, die ja für (internationale) Abkommen, wie das Pariser Klimaabkommen entscheidend ist, war der Juli 1.18 K wärmer und damit genau so viel wärmer, wie der Juli 2019. Das heißt auch, dass in der Berechnung von Berkeley Earth der Juli der heißeste Juli seit Beginn der Aufzeichnung war. Da der Juli insgesamt der heißeste Monat ist, heißt das gleichzeitig auch, dass der Juli 2020 der bisher heißeste Monat insgesamt war.

Berkeley Earth kommt, ebenso wie die NOAA für den aktuellen Zeitraum auf eine Wahrscheinlichkeit von circa 37%, dass 2020 das heißeste Jahr war, anders als bei NOAA wurde diese Wahrscheinlichkeit von Juni allerdings reduziert.

Wir werden die Entwicklung auf jeden Fall weiterhin im Blick behalten und euch hier auf dem Laufenden halten, sobald es dann die Aktualisierung für den August gibt.

Quellen:

NOAA Reports:

https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/202009 (September Report)

https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/202009/supplemental/page-2 (Ausblick zu 2020)

https://www.ncei.noaa.gov/news/projected-ranks (Liste mit den top ten heißesten jahren bis jetzt (Und Erklärung, warum die nächsten 10 Jahre wahrscheinlich wieder die 10 heißesten werden)

Weitere Quellen:

ipcc.ch/report/ar5 (aktueller Sachstandsbericht vom IPCC. Da wird vieles nochmal gut erläutert)

und

berkeleyearth.org/archive/about-data-set explains the datacollection and preparation for Berkeley Earth.

berkeleyearth.org/july-2020-temperature-update The Berkeley Earth Analysis (JULI)

(Das Beitragsbild zeigt die globalen warming stripes nach Ed Hawkins. Die warming stripes für verschiedene Regionen findet ihr über https://showyourstripes.info/)

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