Wir wissen alle, dass der Klimawandel real ist und menschengemacht. Aber wie schlimm ist es eigentlich wirklich? Wird 2020 das nächste heißeste Jahr seit Begin der Aufzeichnung? Und wie weit sind wir noch von diesem 1,5°-Limit entfernt? All diese Fragen stellen natürlich nicht nur wir uns, sondern noch sehr viele andere Menschen, die genau dazu forschen. In diesem Artikel werden wir euch ab jetzt regelmäßig Updates aus der Klimawissenschaft geben. Dabei fokussieren wir uns auf zwei Berichte: Die von der National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA) und die von Berkeley Earth. NOAA bringt einen monatlichen Bericht raus, der unter anderem eine Vorhersage zu der Temperaturentwicklung des gesamten Jahres macht und eine detailliertere Unterteilung bei der Datenanalyse hat. Berkeley Earth ist eine NGO, die durch aktive Suche und intensives Datenmanagement eine deutlich ausführlichere Datenanalyse zur Verfügung stellen kann als die meisten anderen Organsiationen.

Wir fangen an mit der Zusammenfassung vom NOAA Bericht, Berkeley Earth findet ihr dann weiter unten. (Zu Berkeley Earth gibt es bisher als aktuellsten Stand noch den September, Updates kommen, sobald es hier etwas Neues gibt)

NOAA teilt die Klimaveränderungen in mehrere Kategorien auf. Zum einen gibt es die Unterteilung zwischen dem monatlichen Vergleich und dem aktuellen Jahresvergleich (Januar bis September), zum anderen werden klimatische Veränderungen in globalen Durchschnitt, Durchschnitt auf der Nordhalbkugel und auf der Südhalbkugel unterteilt, und diese wiederum in „nur Landmasse“, „nur Ozean“, und „Land und Ozean“ eingeteilt. Diese Unterteilung ist sinnvoll, da sich sowohl Nordhalbkugel und Südhalbkugel, wie auch Land und Ozean unterschiedlich stark erhitzen. Gucken wir uns jetzt also mal die verscheidenen Ergebnisse an:

Oktober 2020:
Globaler Durchschnitt:

Im globalen Mittel war der Oktober 2020 0,85 K wärmer als im langjährigen Mittel (in diesem Fall 1901-2000) und damit der viert-wärmste Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen und damit 0,18 K kälter als das aktuelle Rekordjahr 2015. Der Temperaturanstieg über Land ist stärker als der über dem Ozean, weil der Ozean Wärme besser speichern kann als Land. Das sieht man auch in den Daten. Über Land war der Anstieg mit 1,23 K der fünft-wärmste Oktober. Über dem Ozean ist die Temperatur allerdings „nur“ um 0,70 K angestiegen, und ist damit zusammen mit 2017 der fünft-wärmste Oktober, 0,17 K kälter als 2015, das aktuelle Rekordjahr.

Nordhalbkugel

Die Nordhalbkugel wärmt sich stärker auf, als die Südhalbkugel. Über Land und Ozean gemittelt war der Oktober 2020 auf der Nordhalbkugel der viert-wärmste Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen, mit 1,07 K 0,13 K kälter als das aktuell wärmste Jahr, 2015. Auch auf der Nordhalbkugel hat man ein Gefälle zwischen Land und Ozean. Über Land war der Oktober 2020 mit 1,17 K mehr der neunt-wärmste Oktober. Und über dem Ozean war der Oktober 2020 der drittwärmste Oktober, mit 1,01 K 0,08K kälter als 2015.

Südhalbkugel:

Insgesamt wärmt sich die Südhalbkugel weniger stark auf als der Norden. So war es im Mittel „nur“ 0,61 K wärmer. Das ist der neunt-wärmste September seit Beginn der Aufzeichnungen. Das liegt vor allem daran, dass über dem Ozean Südhalbkugel der Oktober „nur“ der vierzehnt-wärmste Oktober war (+0,46 K). Über Land war es mit 1,40 K der viert-wärmste Oktober, 0,29 K kälter als der aktuelle Rekord.

Es ist also weiterhin deutlich zu warm, und das wird auch in der folgenden Analyse sichtbar. Denn neben den aktuellen Temperaturtrends erstellt NOAA auch Vorhersagen. Dabei wird nicht auf Klimamodelle gesetzt, sondern auf einen Vergleich mit bisherigen Klimadaten, basierend auf den Veränderungen von Monat zu Monat. NOAA guckt sich also an, wie sich die Temperaturen von Monat zu Monat verändern und vergleicht diese Veränderungen dann mit den hisotrischen Datensätzen, um wahrscheinliche Temperaturentwicklungen zu bestimmen.

Diese Prognose wird jeden Monat aktualisiert. Nach dem Oktober wird 2020 laut NOAA mit einer Wahrscheinlichkeit von 29,2% das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnung und mit über 95% das heißeste oder zweitheißeste Jahr. Dass 2020 NICHT unter die heißesten 10 Jahre kommt ist im Grunde genommen ausgeschlossen. Damit würde dann mit 1998 auch das letzte Jahr aus dem letzten Jahrhundert aus den Top-Ten rausfliegen. Die Top 10 heißesten Jahre wären dann alle seit 2005, also alle in den letzten 15 Jahren.

Aber wie sieht das aktuell aus?

Januar bis September 2020:

Global

In dem Vergleich von Januar bis Oktober ist 2020 im Moment noch das zweit-wärmste Jahr, nach 2016. Dabei ist 2020 bis jetzt im Schnitt 1,00 K wärmer, beziehungsweise 1,60 K über Land (hier mit 2016 das wärmste Jahr bis jetzt) und 0,78 K über dem Ozean. Das ist 0,03 K (bzw. 0,04 K über dem Ozean) mehr als das aktuelle Rekordjahr 2016.

Nordhalbkugel

Auf der Nordhalbkugel ist 2020 bis jetzt im Mittel das wärmste Jahr (1,29 K), über Land allerdings das zweit-wärmste (1,75 K vs 1,77 in 2016). ). Über dem Ozean ist der Anstieg mit 1,00 K der größte seit Beginn der Aufzeichnungen, und 2020 bis jetzt somit auch hier das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen.

Südhalbkugel

Hier sieht es etwas besser aus als auf der Nordhalbkugel, mit einem gemittelten Anstieg von „nur“ 0,72 K. Damit ist 2020 bis jetzt auf der Südhalbkugel das viert-wärmste Jahr, 0,07 K kälter als 2016. Über Land ist der Anstieg 1,24 K, damit das zweit-wärmste Jahr 0,06 K kälter als 2019. Der Ozean ist um 0,62 K wärmer und damit ebenfalls das viert-wärmste Jahr mit 0,10 K Differenz zu 2016.

Hier seht ihr noch den Ausblick von Berkeley Earth für den Oktober.

Zunächst einmal haben Berkeley Earth einen anderen Referenzrahmen: Hier wird unterschieden zwischen einem 30-Jahres Schnitt von 1951 bis 1980 und der vorindustriellen Zeit, die hier als 1850-1900 angegeben wird.

Im Vergleich zu der vorindustriellen Zeit, die ja für (internationale) Abkommen, wie das Pariser Klimaabkommen entscheidend ist, war der Oktober 1.18 K wärmer und damit der heißeste Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen (bei Berkely: 1850).

Für den Zeitraum von Januar bis Oktober ist 2020 laut Berkeley Earth knapp hinter 2016 das zweit-wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnung. Der „Temperatursturz“ von September auf Oktober ist laut Berkeley Earth vor allem auf die stärkere Ausprägung von La Niña- Konditionen zurückzuführen ist.

Berkeley Earth sieht die Chancen, dass 2020 das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnung wird mit 16% etwas geringer als NOAA. Mit 80% wird 2020 laut Berkeley Earth das zweit-wärmste, und mit 4% das dritt-wärmste Jahr. Insgesamt spricht sich auch Berkeley Earth dafür aus, dass es nahezu ausgeschlossen ist, dass 2020 nicht unter die heißesten drei Jahre kommt.

Wir werden die Entwicklung auf jeden Fall weiterhin im Blick behalten und euch hier auf dem Laufenden halten, sobald es dann die Aktualisierung für den November gibt.

Quellen:

NOAA Reports:

https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/202010 (Oktober Report)

https://www.ncdc.noaa.gov/sotc/global/202010/supplemental/page-2 (Ausblick zu 2020)

https://www.ncei.noaa.gov/news/projected-ranks (Liste mit den top ten heißesten Jahren bis jetzt (Und Erklärung, warum die nächsten 10 Jahre wahrscheinlich wieder die 10 heißesten werden)

Weitere Quellen:

ipcc.ch/report/ar5 (aktueller Sachstandsbericht vom IPCC. Da wird vieles nochmal gut erläutert)

und

berkeleyearth.org/archive/about-data-set Hier wird die Datensammlung von Berkeley Earth erklärt.

http://berkeleyearth.org/oktober-2020-temperature-update/ Die Berkeley Earth Analyse vom Oktober.

(Das Beitragsbild zeigt die globalen warming stripes nach Ed Hawkins. Die warming stripes für verschiedene Regionen findet ihr über https://showyourstripes.info/)

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