Willkommen zu unserer Serie „Humans of Climate Action“, in der wir nicht-europäischen Klimaaktivisti eine Plattform geben.
Hier ist das Interview mit Alexei aus Sankt-Petersburg, Russland.
Alexei ist bei FridaysForFuture aktiv.
Das englischsprachige Original findet ihr hier.

1) Kannst du uns etwas über dich erzählen?

Mein Name ist Alexei, ich bin 20 Jahre alt und studiere an der staatlichen Universität für Telekommunikation Bonch-Bruevich Sankt-Petersburg. Geboren bin ich auf der Krim in der Ukraine, aber nach der Schule bin ich für das Studium nach Sankt-Petersburg gezogen.

2) Kannst du uns etwas mehr über deine persönliche Motivation an den Streiks teilzunehmen erzählen?

Jeder kennt die schrecklichen Konsequenzen der Klimakrise, aber der Kampf dagegen kann in sich selbst kein Ziel für mich sein. Meine persönliche Motivation leitet sich aus meiner sozialen Grundeinstellung ab, dass Ökologie der Weg der Menschen zu dezentralisierten, autonomen Gesellschaften ohne Diskriminierung ist. Die Art und Weise, wie sich die Natur durch gegenseitige Hilfe und harmonische Beziehungen entwickelt, kann ein Erfolgsmodell sein anstelle unseres hierarchischen Systems, das die Grundlage für die Klimakrise war. Es ist notwendig, die Beziehung zwischen dem Klimakampf und den Menschenrechten in Russland hervorzuheben, da demokratische Institutionen die einzigen Strukturen sind, die eine sichere Umwelt für alle gewährleisten können.

3) Was ist deine Rolle in der #SchoolStrikeForClimate Bewegung?

Ich koordiniere jetzt die Fridays For Future St. Petersburg Gruppe. Ich versuche, Beiträge zu verfassen, den Leuten in Kommentaren oder Mitteilungen zu antworten und neue Streiks oder die Teilnahme an einigen sozialen/ökologischen Veranstaltungen zu organisieren. Es ist kein komplizierter Job, denn jeder kann Koordinator sein oder so etwas machen.

4) Welche Talente bringst du mit, im Kampf für eine bessere Welt?

Ich denke, alle Meneschen haben große Fähigkeiten und Talente, aber nur ein freies, soziales Umfeld kann dabei helfen, sich zu verbessern. Klimabewegungen schaffen meistens ein solches Umfeld.
Deshalb versuche ich für die Bewegung, die selben Talente beizutragen, wie jeder andere Mensch: Vertiefung, Nachfolge und Nachhaltigkeit. Dafür nutze ich meine Freizeit, um Artikel zu schreiben und zu übersetzen, Events zu organisieren, oder an solchen teilzunehmen.

5) Wie ist die Bewegung in deinem Land?

Fridays For Future ist eine sehr junge Bewegung in Russland, aber in vielerlei Hinsicht sehr einzigartig. Wir haben viele institutionelle und kulturelle Grenzen, die eine Einbeziehung mit Jugendlichen und Schülern verhindern. Aber diejenigen von ihnen, die anfangen, sich in der Bewegung zu engagieren, sind offen für neue Erfahrungen und ändern ihre Sichtweise auf die Gesellschaft. Es gibt über zehn FFF-Gruppen in Russland in verschiedenen Städten, und es gibt insgesamt etwa dreihundert Aktivisten. In Sankt Petersburg gibt es in unserer Gruppe sieben bis zehn Aktivisten.

6) Was ist das größte Umweltproblem in deiner Gegend? Macht deine Regierung, große NGOs, oder die Gesellschaft irgendetwas dagegen, oder wird das Problem einfach immer größer?

Die Russen beschäftigen sich jetzt mehr mit Problemen mit dem Müll, wie getrennte Sammlung, Recycling und der richtigen Infrastruktur. All diese Bereiche werden von NGOs und anderen sozialen Initiativen getragen. Aber dort, wo die Regierung ihren Einfluss hat, ist der soziale Sektor sehr korrupt geworden. Das letzte, was die Regierung zur „Lösung“ dieses Problems getan hat, ist die Freigabe des Gesetzes, das Müllrecycling mit der Müllverbrennung gleichsetzt. Wir tun alles, um dieses Müll-Thema mit dem Klimawandel zu vereinen, denn anders können wir jetzt im Klimakampf nicht überzeugender sein.

7) Was war die größte und beste Umweltschutzaktion, von der du etwas gehört hast? Was war daran besonders, was hast du daraus gelernt und wie hat sich der Erfolg angefühlt?

Es gibt nicht so viele Beispiele, die ich als „erfolgreiche Aktion“ bezeichnen könnte. In so großen und zentralen Städten wie Sankt Petersburg und Moskau sind die Erfolgschancen für soziale Aktivisten mit einer globalen Botschaft sehr gering. Ich habe an der Kampagne gegen die Mülldeponie in Schiyes, in der Archangelsk-Region, teilgenommen. Es ist noch zu früh, um Schlussfolgerungen zu ziehen, aber die interregionale Hilfe und der Kampf der Menschen vor Ort tragen viel dazu bei, Schiyes noch zu retten. Die wichtigste Besonderheit war, dass es eine Graswurzelbewegung war. Es gibt fünfundneunzig Prozent der Eingeborenen, die gegen diese Mülldeponie waren. Es gibt in der russischen Geschichte noch keine Beispiele mehr, wo die Einheimischen so sehr für die Natur und ihr eigenes Territorium vereint waren. Das ist eine sehr anschauliche Lektion für uns alle.

8) Hast du eine Vision für unseren Planeten, die Natur und uns Menschen in 2050? Denkst du, sie ist realistisch?

Meine politischen und ökologischen Ansichten motivieren mich, radikal zu träumen. Ich glaube nicht, dass alle Pläne der Welt für eine kohlenstoffarme Entwicklung die Gesellschaft vor einem ökologischen Zusammenbruch retten können. Ich glaube, dass die Untergangsrhetorik der falsche Weg ist, um unsere Welt wirklich zu verändern. Deshalb erzähle ich allen von einem alternativen Weg – Solarpunk. Es ist eine öko-futuristische Bewegung, die versucht, uns aus der Katastrophe herauszudenken, indem sie sich eine Zukunft vorstellt, in der die meisten Menschen tatsächlich gerne leben würden, statt einer Zukunft, die wir versuchen sollten zu vermeiden; eine Zukunft, die durch eine Versöhnung zwischen Mensch und Natur gekennzeichnet ist, in der Technologie für menschen- und ökozentrische Zwecke eingesetzt wird und in der eine von Hierarchie und Wettbewerb getriebene Gesellschaft einer auf der Grundlage von Freiheit, Gleichheit und Zusammenarbeit organisierten Gesellschaft gewichen ist. Jeder kann im Internet ausführlichere Artikel über dieses Konzept finden.

9) Gibt es sonst noch etwas, das du uns sagen möchtest?

Das ist meine bevorzugte Antwort für Menschen, die nicht an die systemischen Grundlagen der Klimakrise glauben: „Google Bookchin“. Es ist eine Art Witz, aber auch „so manches wahre Wort, das im Scherz gesprochen wird“.

Ihr könnt Alexei auf Facebook und VK folgen.

Ein Kommentar zu „Humans of Climate Action – Alexei – German Version

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