Esoteriker*innen und Verschwörungstheoretiker*innen reden gerne über Objekte, Phänomene oder Ereignisse, deren Existenz sie nicht beweisen können. Darauf angesprochen erklären sie häufig, man könne ja bislang auch ihre Nichtexistenz nicht beweisen und müsse daher für alles offen sein. Schließlich gab es beispielsweise radioaktive Strahlen auch schon lange bevor sie nachgewiesen werden konnten, oder? Viele Skeptiker*innen entgegnen, Nichtexistenz könne man grundsätzlich nicht beweisen und deshalb läge die Beweislast niemals bei Skeptiker*innen, sondern stets bei der Person, die die Behauptung aufgestellt hat.

Was die Lage der Beweislast angeht, haben solche Skeptiker durchaus recht. Wie Christopher Hitchens einst sagte: „Was ohne Beleg behauptet werden kann, kann auch ohne Beleg verworfen werden.“ (Hitchens‘ Rasiermesser). Aber wie sieht es mit der Beweisbarkeit der Nichtexistenz aus? Nun, sie hängt von der Definition von „Beweisbarkeit“ und der Art der Existenzhypothese ab.

Vollständig beweisbar sind physikalische Aussagen (im Gegensatz zu logischen Aussagen) grundsätzlich nicht. Das gilt sowohl für Existenz als auch für Nichtexistenz von irgendetwas. Diese strenge Definition von Beweisbarkeit ist zwar philosophisch interessant, aber unpraktisch.

Definieren wir also etwas freier eine Theorie als „bewiesen“, wenn ihre Vorhersagen auch nach hinreichend vielen Beobachtungen hinreichend genau mit diesen übereinstimmen. Ob eine Theorie (z.B. eine Existenzhypothese) nach dieser Definition beweisbar (oder widerlegbar) ist, hängt nun davon ab, ob sie überprüfbare Vorhersagen ermöglicht.

Zum Beispiel lässt die Aussage, eine Teekanne kreise im Weltraum zwischen Erde und Mars um die Sonne und sei so klein, dass sie mit Teleskopen nicht gefunden werden könne, keine überprüfbaren Vorhersagen zu. Denn ob diese Teekanne existiert oder nicht, hat keinerlei messbaren Einfluss auf uns. Wir können sie weder sehen noch sonst irgendwie detektieren. Somit ist ihre Existenz weder beweisbar noch widerlegbar. Diese Beispiel ist als „Russells Teekanne“ bekannt. Die Aussage, eine Teekanne befinde sich in meinem Geschirrschrank, lässt dagegen durchaus überprüfbare Vorhersagen zu. Beispielsweise sollte ich sie sehen können, wenn ich den Geschirrschrank öffne. Damit ist ihre Existenz beweisbar (bzw widerlegbar, falls ich gelogen habe).

Betrachten wir als weiteres Beispiel die Homöopathie. Ihre zentrale Aussage ist: „eine homöopathische Therapie verbessert (zumindest im statistischen Mittel) die Gesundheit der Patienten“. Dies ist offensichtlich eine überprüfbare Vorhersage (es wäre eine ziemlich nutzlose Therapie, wenn die Patienten nicht merken würden, ob es ihnen besser geht oder nicht). Eine hinreichend große Zahl an Beobachtungen und deren Vergleich mit den Vorhersagen der Homöopathie (klinische Studien) sind somit ein geeignetes Mittel, um die Existenz der postulierten Wirkung homöopathischer „Medikamente“ zu beweisen oder zu widerlegen. Zu behaupten, man könne die Nichtexistenz der Wirkung von Homöopathie nicht beweisen, ist also ungefähr so, wie zu behaupten, man könne die Nichtexistenz einer Kaffeekanne in meinem Geschirrschrank nicht beweisen.

„Nichtexistenz ist grundsätzlich nicht beweisbar“ ist also nicht falsch, aber irreführend. Streng genommen ist weder Existenz noch Nichtexistenz beweisbar. Nach einer lockereren Definition sind sie es beide.